Praxis2 Min. · 04. September 2026

Bestpreis oder Direktpreis: die neue Order-Wahl nach dem PFOF-Verbot

Seit dem PFOF-Verbot vom Juli 2026 dürfen Broker keine Rückvergütungen von Market-Makern mehr für die Weiterleitung von Kundenorders annehmen. Als Reaktion bieten manche Broker jetzt zwei Ordertypen an: eine automatische, meist günstigere Bestpreis-Order und eine teurere Direktpreis-Order, bei der du den Handelsplatz selbst bestimmst.

Payment for Order Flow (PFOF) war über Jahre das stille Finanzierungsmodell vieler Neobroker: Market Maker zahlten dafür, dass ein Broker Kundenorders an sie statt an eine klassische Börse weiterleitete, und Broker gaben einen Teil davon an Kunden in Form niedriger Ordergebühren weiter. Die EU-Wertpapiermarktverordnung (MiFIR) verbietet PFOF seit einer Reform grundsätzlich; eine deutsche Übergangsfrist für hiesige Modelle lief am 30. Juni 2026 aus.

Was sich seit Juli 2026 geändert hat

Ohne PFOF-Einnahmen mussten Broker ihre Gebührenmodelle anpassen. Ein Ansatz, den unter anderem Trade Republic seit Juli 2026 verfolgt: statt eines einzelnen Handelsplatzes werden Kundenorders automatisch über bis zu 30 angebundene Handelsplätze verglichen und zum jeweils günstigsten ausgeführt — die sogenannte Bestpreis-Order. Wer stattdessen gezielt einen bestimmten Handelsplatz wählen will, etwa eine bestimmte US-Börse für eine dort primär gelistete Aktie, kann alternativ eine Direktpreis-Order wählen, die dafür eine höhere Gebühr kostet.

Wann sich der Aufpreis lohnt

Für die meisten Standardorders in gängigen deutschen oder europäischen Wertpapieren macht die automatische Bestpreis-Suche kaum einen Unterschied zum Ergebnis, kostet aber weniger. Der Aufpreis der Direktpreis-Order lohnt sich vor allem, wenn ein Wertpapier nur an einem bestimmten Handelsplatz mit ausreichender Liquidität gehandelt wird, oder wenn du aus anderen Gründen (etwa Handelszeiten) gezielt einen bestimmten Markt ansteuern willst.

Die Bestpreis-Order ersetzt nicht die Eigenverantwortung, die Ausführung zu prüfen — sie automatisiert nur die Auswahl des Handelsplatzes nach dem Kriterium "günstigster Preis", nicht zwingend nach anderen Kriterien wie Ausführungsgeschwindigkeit.

Nicht jeder Broker hat diesen Umbau vollzogen

Andere Broker im Vergleich arbeiten weiterhin mit einem festen Referenz-Handelsplatz (etwa Tradegate oder gettex) ohne diese Zweiteilung — sie mussten ihr Modell entweder nicht anpassen, weil sie ohnehin nicht auf PFOF angewiesen waren, oder haben andere Wege gefunden, ihre Gebühren PFOF-frei zu kalkulieren.

Häufige Fragen

Ist eine Bestpreis-Order automatisch die günstigste Ausführung?

Sie ist die vom Broker als günstigst ermittelte unter den angebundenen Handelsplätzen zum Ausführungszeitpunkt — nicht zwangsläufig die theoretisch bestmögliche über alle weltweit existierenden Handelsplätze hinweg.

Warum wurde PFOF überhaupt verboten?

Kritiker sahen einen Interessenkonflikt: Broker konnten finanziell davon profitieren, Orders bevorzugt an zahlende Market Maker weiterzuleiten, statt an den für den Kunden objektiv besten Handelsplatz.

Betrifft das Verbot auch Sparplan-Ausführungen?

Die Bestpreis-/Direktpreis-Unterscheidung bezieht sich in der Praxis auf Einzelorders. Sparpläne laufen bei den meisten Brokern weiterhin über einen festen, im Voraus definierten Ausführungsweg.