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So bewerten wir: gewichtete Kennzahlen je Anlageklasse

Methodik7 Min. LesezeitVeröffentlicht am

Von Daniel Benz, Betreiber und redaktionell verantwortlich · aktualisiert am

Inhalt dieses Artikels

Jede Vergleichsseite steht vor demselben Problem: Anbieter unterscheiden sich in Dutzenden Details, aber Leser wollen eine Reihenfolge. Jede Reihenfolge braucht eine Zahl, und jede Zahl verbirgt eine Entscheidung darüber, was wichtig ist. Diese Seite legt diese Entscheidung offen, statt sie hinter einem Siegel zu verstecken.

Was in die Note eingeht

Die Punktzahl ist ein gewichteter Durchschnitt aus vier oder fünf Achsen. Jede Achse wird pro Anlageklasse (Broker, P2P-Plattform, Krypto-Börse, Tagesgeld-/Festgeld-Anbieter oder Robo-Advisor) über das jeweilige Vergleichsfeld auf eine Skala von 0 bis 10 normiert, danach werden die Achsen gewichtet addiert und kaufmännisch auf eine Nachkommastelle gerundet. Die Anlageklassen sind unterschiedliche Produkte und werden deshalb mit unterschiedlichen Achsen bewertet — alle folgen aber demselben Prinzip: reale, belegte Werte statt redaktioneller Einschätzung.

Broker:

  • Kosten, 30 Prozent: eine vereinfachte Jahreskostenschätzung aus vier Musterorders zu je 300 Euro plus zwölf Monatsbeiträgen Depotgebühr. Der günstigste Anbieter im Vergleichsfeld bekommt 10.
  • Steuerkomfort, 20 Prozent: führt der Anbieter die deutsche KapitalertragsteuerDie Kapitalertragsteuer ist keine eigene Steuerart, sondern die technische Erhebungsform der Abgeltungsteuer: Bank oder Broker behalten 25 % auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne direkt an der Quelle ein und führen sie automatisch ans Finanzamt ab, statt dass du sie selbst in der Steuererklärung angibst. automatisch ab, gibt es 10 Punkte. Wenn nicht, gibt es 3 — die Anlage KAPDie Anlage KAP ist das Formular der deutschen Einkommensteuererklärung für Kapitalerträge. ist zumutbar, aber ein echter Mehraufwand mit echtem Fehlerrisiko.
  • Sicherheit, 20 Prozent: eine eigene VollbanklizenzDie Vollbanklizenz erlaubt einem Kreditinstitut (CRR-Kreditinstitut) das Einlagengeschäft — also die Entgegennahme rückzahlbarer Kundengelder — sowie die Kreditvergabe für eigene Rechnung. bewerten wir mit 10, ein deutsches WertpapierinstitutEin Wertpapierinstitut ist ein Unternehmen, das gewerblich Wertpapierdienstleistungen (z. B. Anlagevermittlung, Portfolioverwaltung, Eigenhandel) erbringt und dafür nach § 15 des Wertpapierinstitutsgesetzes (WpIG, seit 2021) eine schriftliche Erlaubnis der BaFin benötigt. mit deutscher Depotbank und 100.000 Euro gesetzlicher EinlagensicherungDie gesetzliche Einlagensicherung schützt Bankguthaben bis 100.000 € pro Kunde und Institut, unabhängig von der Kontoanzahl. mit 8, eine ausländische AnlegerentschädigungDie Anlegerentschädigung beruht auf der EU-Richtlinie 97/9/EG, in Deutschland umgesetzt durch das Anlegerentschädigungsgesetz (AnlEntG). mit deutlich niedrigerer Deckung mit 5.
  • Angebot, 15 Prozent: Anzahl der Anlageklassen plus Anzahl der Handelsplätze, letztere bei sechs gedeckelt. Der Deckel ist Absicht — ob ein Broker 30 oder 170 Börsen anbindet, ändert für die meisten Privatanleger nichts mehr.
  • Nutzerbewertung, 15 Prozent: die Bewertung im App Store und bei Google Play, wo beide belegbar vorliegen, sonst der einzelne belegbare Wert. Wo sich keine App-Bewertung sauber zuordnen lässt, tritt die Unternehmensbewertung eines Bewertungsportals an ihre Stelle; das ist dann im Anbieterprofil vermerkt.

P2P-Plattformen:

  • Rendite, 30 Prozent: die tatsächlich erzielte oder von der Plattform selbst berichtete Nettorendite, nicht die beworbene Bruttospanne. Bewertet an einer festen, linearen Skala von 3 bis 16 Prozent p. a.: 3 % ergeben 0 Punkte, 16 % ergeben 10 Punkte, höhere Renditen bleiben bei 10 — nicht relativ zum jeweiligen Vergleichsfeld, damit ein einzelner knapper Abstand zwischen zwei Anbietern nicht künstlich auf 0 Punkte fällt. Die 3 % markieren die Untergrenze dessen, was hier noch als P2P-/Alternativkredit-Rendite gilt, nicht den schlechtestmöglichen Wert — ein bewusst renditearmes, dafür liquides Produkt landet dadurch nicht automatisch bei 0.
  • Sicherheit, 30 Prozent: Regulierungsstufe (volle MiFID-II-Lizenz mit Anlegerentschädigung wiegt schwerer als eine leichtere ECSP-Schwarmfinanzierungslizenz), echte DiversifikationIm P2P-Kontext bedeutet Diversifikation, Anlagebeträge über möglichst viele unabhängige Kredite, Loan Originators, Länder und Kreditarten zu streuen, statt auf einen einzelnen Kredit oder Kreditgeber zu konzentrieren. über unabhängige Kreditgeber statt eines einzelnen Konzerns, sowie dokumentierte, ungelöste Governance-Probleme — die fließen als Abzug ein, unabhängig vom formalen Lizenzstatus.
  • Kosten, 15 Prozent: Konto-, Auszahlungs-, Zweitmarkt- und insbesondere Inaktivitätsgebühren.
  • Transparenz, 15 Prozent: Qualität der öffentlichen Berichterstattung — Echtzeit-Statistiken, geprüfte Jahresabschlüsse, ehrliche Offenlegung von Ausfällen statt geschönter Kennzahlen.
  • Nutzerbewertung, 10 Prozent: wie bei Brokern, mit Trustpilot als Rückfallwert ohne eigene App.

Krypto-Börsen:

  • Kosten, 30 Prozent: die Taker-Handelsgebühr auf der niedrigsten Volumenstufe. Die günstigste Börse im Vergleichsfeld bekommt 10.
  • Steuer-Service, 20 Prozent: keine Krypto-Börse kann deutsche Steuer automatisch abführen — Krypto-Gewinne fallen unter §23 EStGGewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen fallen bei Privatanlegern unter §23 EStG (private Veräußerungsgeschäfte), nicht unter die Abgeltungsteuer wie bei Aktien oder ETFs., nicht unter die AbgeltungsteuerDie Abgeltungsteuer ist eine pauschale Steuer von 25 % auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne, die mit dem Einbehalt an der Quelle (durch Bank/Broker) grundsätzlich abgegolten ist — eine gesonderte Angabe in der Steuererklärung ist meist nicht nötig.. Diese Achse bewertet stattdessen, wie gut eine Börse den Export der Transaktionshistorie an Steuer-Tools wie Blockpit oder CoinTracking unterstützt.
  • Sicherheit, 20 Prozent: ob eine gültige MiCA-LizenzMiCA (Markets in Crypto-Assets) ist die EU-Verordnung, die seit dem 30.12.2024 den Kryptomarkt reguliert. vorliegt und wie die Börse mit Kundengeldern im Sicherheitsfall umgeht (Cold-Storage-Anteil, eigene Garantiefonds).
  • Angebot, 15 Prozent: Anzahl handelbarer Kryptowährungen, ob Staking angeboten wird und ob ein Sparplan (Recurring Buy) existiert.
  • Nutzerbewertung, 15 Prozent: wie bei Brokern und P2P-Plattformen, in der Regel Trustpilot.

Tagesgeld & Festgeld:

  • Zinssatz, 35 Prozent: der beste verfügbare Zins des Anbieters, ob Tagesgeld oder Festgeld über alle angebotenen Laufzeiten. Das ist die Rendite-Achse dieser Anlageklasse, ähnlich gewichtet wie die Rendite-Achse bei P2P-Plattformen.
  • Sicherheit, 25 Prozent: Art und Reichweite der Einlagensicherung — gesetzliche deutsche 100.000-€-Sicherung, zusätzliche freiwillige Sicherungsfonds, Institutssicherung oder ein ausländisches (EWR-)System wiegen unterschiedlich schwer.
  • Konditionen, 20 Prozent: Mindest- und Maximaleinlage sowie ob ein beworbener Zins nur ein befristeter AktionszinsEin Aktionszins ist eine befristete, meist deutlich über der Standardkondition liegende Verzinsung, die Tagesgeld-Anbieter Neukunden für einen festen Zeitraum (häufig 4 bis 12 Monate) einräumen. mit Rückfallwert ist oder dauerhaft gilt.
  • Nutzerbewertung, 20 Prozent: wie bei den übrigen Anlageklassen.

Robo-Advisor:

  • Kosten, 35 Prozent: die untere Kante der Gesamtkostenspanne aus Servicegebühr und Fondskosten. Anders als bei P2P-Plattformen gibt es hier keine belastbare, vom Anbieter unabhängige Rendite-Kennzahl — die Gesamtkosten schmälern jede erzielte Rendite gleichermaßen und sind deshalb die am höchsten gewichtete Achse, ähnlich wie bei Brokern und Krypto-Börsen.
  • Sicherheit, 25 Prozent: eigene FinanzportfolioverwaltungDie Finanzportfolioverwaltung ist eine erlaubnispflichtige Wertpapierdienstleistung nach § 2 Abs. 3 Nr. 7 WpIG: Ein Unternehmen trifft auf Basis eines Kundenauftrags eigenständig Anlageentscheidungen für fremde Vermögen und setzt sie um, statt nur einzelne Trades auszuführen oder zu vermitteln.-Lizenz wiegt schwerer als ausgelagertes Portfoliomanagement über einen externen Partner, dazu Art und Umfang der EinlagensicherungDie gesetzliche Einlagensicherung schützt Bankguthaben bis 100.000 € pro Kunde und Institut, unabhängig von der Kontoanzahl. für den Cash-Anteil.
  • Konditionen, 20 Prozent: Mindestanlage, Mindest-Sparrate und Anzahl wählbarer Strategien.
  • Nutzerbewertung, 20 Prozent: wie bei den übrigen Anlageklassen. Fehlt eine belastbare Basis (keine eigene App, nur wenige Bewertungen, zurzeit Fidelity), steht die Achse als „nicht bewertet“; sie wird nicht geschätzt, und die Punktzahl rechnet mit den übrigen Achsen, deren Gewichte auf 100 Prozent umgerechnet werden.

Warum diese Gewichtung

Kosten wiegen am schwersten, weil sie die einzige Größe sind, die mit Sicherheit anfällt und über die Haltedauer zuverlässig wirkt. Rendite ist ungewiss, Gebühren nicht.

Steuerkomfort und Sicherheit stehen gleichauf dahinter. Beide entscheiden nicht über ein paar Euro im Jahr, sondern darüber, wie viel Arbeit und wie viel Risiko am Anleger hängenbleiben. Ein Depot ohne automatische Steuerabführung kostet jedes Jahr Aufwand; eine AnlegerentschädigungDie Anlegerentschädigung beruht auf der EU-Richtlinie 97/9/EG, in Deutschland umgesetzt durch das Anlegerentschädigungsgesetz (AnlEntG). von 20.000 statt 100.000 Euro wird genau dann relevant, wenn es darauf ankommt.

Angebot und Nutzerbewertung stehen bewusst hinten. Ein breites Produktangebot nützt nur, wer es nutzt, und App-Bewertungen sind ein verrauschtes Signal: Sie messen Zufriedenheit im Alltag, aber sie werden auch von Kampagnen, Update-Wellen und Ausreißern getrieben.

Merksatz

Die Gewichtung ist eine Wertung, keine Naturkonstante. Wer Auslandsbörsen braucht, für den ist ein Anbieter mit schwacher Note hier trotzdem die richtige Wahl.

Was die Note nicht ist

Sie ist kein Ergebnis eines praktischen Tests. Wir haben keine Konten bei allen Anbietern eröffnet, keine Orders ausgeführt und keine Support-Anfragen gestellt. Die Konditionen stammen aus Preis- und Leistungsverzeichnissen, Regulierungsdokumenten, Aufsichtsmitteilungen und öffentlichen Bewertungsportalen. Wo sich eine Angabe nicht belastbar belegen ließ, steht sie entweder gar nicht auf der Seite oder ausdrücklich als vorläufig markiert.

Sie ist auch keine Prognose. Eine hohe Punktzahl sagt nichts darüber, ob ein Anbieter in zwei Jahren noch dieselben Konditionen hat. Gerade bei zinsgebundenen Angaben wie der Verzinsung von Guthaben ändert sich der Wert mit jeder Zinsentscheidung der EZB.

Und sie ist keine Anlageberatung. Die Note vergleicht Anbieter, nicht Anlageentscheidungen.

Wie Provisionen behandelt werden

Diese Seite finanziert sich über Partnerlinks. Die Provisionshöhe ist in keiner der Achsen enthalten und fließt an keiner Stelle in die Reihenfolge ein. Anbieter ohne Partnerprogramm werden nach denselben Kriterien bewertet und stehen dort, wo ihre Punktzahl sie einordnet — sie tragen dann lediglich kein Sternchen am Link.

Was sich ändern wird

Die Achsen sind bewusst einfach gehalten, damit jeder Wert nachrechenbar bleibt. Sobald mehr Anbieter im Feld sind, werden einzelne Achsen aussagekräftiger, weil die Normierung über ein breiteres Feld läuft. Bei einer Anlageklasse mit nur einem geprüften Anbieter verzichten wir deshalb auf eine Siegerauszeichnung: Ein Platz 1 ohne Vergleichsfeld wäre eine leere Aussage.

Häufige Fragen

Beeinflussen Provisionen die Reihenfolge?

Nein. Die Provisionshöhe ist in keiner der Bewertungsachsen enthalten. Die Reihenfolge folgt allein der Punktzahl, und Anbieter ohne Partnerprogramm werden nach denselben Kriterien bewertet.

Habt ihr die Anbieter selbst getestet?

Nein. Wir recherchieren Konditionen aus Preis- und Leistungsverzeichnissen, Regulierungsdokumenten und öffentlichen Bewertungsportalen. Wir eröffnen keine Konten und führen keine Orders aus. Deshalb heißt die Note ausdrücklich vorläufige Kennzahlen-Note.

Warum wiegen die Kosten am schwersten?

Weil sie als einzige Größe sicher anfallen. Die Rendite eines Depots ist ungewiss, die Ordergebühr nicht. Über eine lange Haltedauer ist der Kostenunterschied der zuverlässigste Effekt im Vergleich.

Warum bekommt ein Anbieter ohne deutsche Steuerabführung nur 3 von 10 Punkten?

Nicht 0, weil die Selbstdeklaration über die Anlage KAP rechtlich unproblematisch und zumutbar ist. Aber deutlich unter 10, weil sie jedes Jahr Aufwand verursacht und eine zusätzliche Fehlerquelle ist.

Korrekturen an diesem Artikel

  • : Punktzahl-Rundung vereinheitlichtDie Punktzahl ist jetzt immer die gewichtete Summe der Achsen, kaufmännisch auf eine Nachkommastelle gerundet; der Content-Build prüft jede Punktzahl dagegen. Vorher waren zwei Werte von Hand anders gerundet: comdirect 6,8 → 6,9 und growney 8,3 → 8,2.
  • : P2P-Renditeachse folgt strikt der veröffentlichten SkalaDie Renditeachse der P2P-Plattformen wird jetzt exakt nach der linearen Skala von 3 bis 16 % p. a. berechnet (3 % = 0 Punkte, 16 % = 10 Punkte, darüber 10). Einige Achsenwerte wichen davon ab. Geänderte Punktzahlen: Nectaro 7,1 → 7,0, Indemo 6,7 → 6,9, Mintos 6,8 → 6,7, TD Funding 6,3 → 6,4, Devon 5,5 → 5,6, Twino 4,9 → 4,8; bei Afranga änderte sich nur der Achsenwert (4,7 → 4,6).
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Daniel Benz · Betreiber und redaktionell verantwortlich

Daniel Benz betreibt Vermögen sparen und verantwortet Auswahl der Kriterien, Recherche und Freigabe jedes Textes und jeder Zahl auf dieser Seite.

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