Praxis3 Min. · 04. September 2026

Konto eröffnen: Ablauf, Unterlagen und was je Anlageklasse anders ist

Jeder in der EU regulierte Anbieter muss dich vor der ersten Einzahlung nach dem Geldwäschegesetz identifizieren — der Ablauf ist deshalb bei Brokern, P2P-Plattformen und Krypto-Börsen im Kern gleich: registrieren, Identität prüfen, Referenzkonto verknüpfen, einzahlen. Unterschiedlich sind die Steuerangaben: deutsche Broker brauchen deine Steuer-ID für den automatischen Steuerabzug, ausländische P2P-Plattformen stattdessen oft eine Ansässigkeitsbescheinigung gegen zu hohe Quellensteuer.

Der Ablauf einer Kontoeröffnung wirkt bei jedem Anbieter etwas anders, folgt aber überall demselben regulatorischen Gerüst. Jeder in der EU lizenzierte Anbieter — ob WertpapierinstitutEin Wertpapierinstitut ist ein Unternehmen, das gewerblich Wertpapierdienstleistungen (z. B. Anlagevermittlung, Portfolioverwaltung, Eigenhandel) erbringt und dafür nach § 15 des Wertpapierinstitutsgesetzes (WpIG, seit 2021) eine schriftliche Erlaubnis der BaFin benötigt. …, Bank mit VollbanklizenzDie Vollbanklizenz erlaubt einem Kreditinstitut (CRR-Kreditinstitut) das Einlagengeschäft — also die Entgegennahme rückzahlbarer Kundengelder — sowie die Kreditvergabe für eigene Rechnung. …, ECSP-lizenzierteDie ECSP-Lizenz (European Crowdfunding Service Provider) ist eine EU-weite Zulassung nach der Schwarmfinanzierungsverordnung (EU) 2020/1503, speziell für Crowdfunding- und P2P-Plattformen. … P2P-Plattform oder MiCA-zugelasseneMiCA (Markets in Crypto-Assets) ist die EU-Verordnung, die seit dem 30.12.2024 den Kryptomarkt reguliert. … Krypto-Börse — ist nach dem Geldwäschegesetz verpflichtet, dich vor der ersten Einzahlung zu identifizieren. Daran führt kein Weg vorbei, und ein Anbieter, der darauf verzichtet, wäre ein Warnsignal, kein Komfortgewinn.

Die vier Schritte, die überall gleich sind

1. Registrierung. E-Mail-Adresse, Passwort, meist direkt gefolgt von Adress- und Geburtsdaten. Diese Angaben müssen später exakt zum Ausweis passen — Abweichungen (etwa ein fehlender Zweitvorname) sind der häufigste Grund für abgelehnte Identitätsprüfungen.

2. Identitätsprüfung. In Deutschland üblich sind Video-Ident (Videoanruf mit Ausweis), AutoIdent (Foto-/Selfie-Verfahren) oder das eID-Verfahren mit der Online-Ausweisfunktion. Die Prüfung dauert bei Video- und AutoIdent meist Minuten bis Stunden, kann bei Rückfragen aber auch Tage brauchen.

3. Referenzkonto verknüpfen. Ein- und Auszahlungen laufen fast immer über ein einziges, auf deinen Namen laufendes Bankkonto. Auszahlungen gehen nur dorthin zurück — das ist eine Geldwäsche-Vorgabe, keine Schikane, und der Grund, warum du dein Bankkonto nicht spontan wechseln solltest, während Geld unterwegs ist.

4. Erste Einzahlung. Per SEPA-Überweisung, bei manchen Anbietern auch per Kreditkarte oder Apple/Google Pay — dann aber häufig mit Gebühr. Bei Bitpanda etwa kostet die Kartenzahlung 1,50 % vom Betrag, während SEPA kostenlos ist.

Was je Anlageklasse anders läuft

Broker mit deutscher Steuerabführung. Hier brauchst du zusätzlich deine steuerliche Identifikationsnummer (Steuer-ID). Ohne sie kann der Broker den FreistellungsauftragMit einem Freistellungsauftrag weist du deine Bank oder deinen Broker an, Kapitalerträge bis zu einem von dir festgelegten Betrag ohne Abzug von Abgeltungsteuer auszuzahlen. … nicht anlegen und im Zweifel keine korrekte KapitalertragsteuerDie Kapitalertragsteuer ist keine eigene Steuerart, sondern die technische Erhebungsform der Abgeltungsteuer: Bank oder Broker behalten 25 % auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne direkt an der Quelle ein und führen sie automatisch ans Finanzamt ab, statt dass du sie selbst in der Steuererklärung angibst. … abführen. Sinnvoll ist es, den Freistellungsauftrag direkt bei der Eröffnung einzurichten statt später.

P2P-Plattformen. Sie führen keine deutsche Steuer ab; die Erträge gehören selbst in die Anlage KAPDie Anlage KAP ist das Formular der deutschen Einkommensteuererklärung für Kapitalerträge. …. Dafür kann eine AnsässigkeitsbescheinigungEine Ansässigkeitsbescheinigung (Tax Residency Certificate) bestätigt gegenüber einer ausländischen Zahlstelle, in welchem Land du steuerlich ansässig bist. … nötig werden, damit im Sitzland der Plattform nicht die volle Quellensteuer einbehalten wird. Die Mindestanlage unterscheidet sich stark: von 1 € bei Bondora über 10 € bei Debitum, Twino oder Robocash bis 1.000 € bei Devon und Triple Dragon Funding.

Krypto-Börsen. Auch hier gibt es keinen automatischen Steuerabzug, weil Krypto-Gewinne unter das private VeräußerungsgeschäftGewinne aus dem Verkauf von Kryptowährungen fallen bei Privatanlegern unter §23 EStG (private Veräußerungsgeschäfte), nicht unter die Abgeltungsteuer wie bei Aktien oder ETFs. … fallen. Seit dem 1.1.2026 erfassen Anbieter über die DAC8/KStTG-MeldepflichtDAC8 ist eine EU-Richtlinie zum automatischen Informationsaustausch über Krypto-Transaktionen zwischen Steuerbehörden; in Deutschland wird sie über das Kryptowerte-Steuertransparenzgesetz (KStTG) umgesetzt. … allerdings Transaktionsdaten und melden sie ab 2027 ans Finanzamt — eine saubere eigene Dokumentation von Anfang an spart später Arbeit.

Der einzige Schritt, den viele überspringen und später bereuen: gleich beim Anlegen des Kontos festhalten, welcher Anbieter welche Steuerunterlagen liefert — und welche du selbst zusammenstellen musst.

Wie lange es insgesamt dauert

Registrierung und Identitätsprüfung sind bei den meisten Anbietern an einem Tag erledigt. Der begrenzende Faktor ist fast immer die erste SEPA-Überweisung, die je nach Bank ein bis zwei Bankarbeitstage braucht. Wer einen bestimmten Kauftermin im Blick hat, sollte deshalb eher eine Woche als einen Tag einplanen — und bei einem DepotübertragBeim Depotübertrag wechseln Wertpapiere von einem Depot zu einem anderen Institut, ohne verkauft zu werden — die steuerlich relevanten Anschaffungsdaten und -kosten wandern mit, sodass kein steuerpflichtiger Verkauf ausgelöst wird. … bestehender Positionen eher mehrere Wochen.

Häufige Fragen

Kann ich ein Konto eröffnen, ohne meinen Ausweis hochzuladen?

Nein. Jeder in der EU regulierte Anbieter ist nach dem Geldwäschegesetz zur Identifizierung verpflichtet. Anbieter, die darauf verzichten, arbeiten entweder außerhalb der EU-Regulierung oder verstoßen gegen geltendes Recht — beides ist ein Risiko, kein Vorteil.

Brauche ich für eine P2P-Plattform auch meine Steuer-ID?

Meist nicht, weil ausländische P2P-Plattformen keine deutsche Kapitalertragsteuer abführen. Stattdessen kann eine Ansässigkeitsbescheinigung sinnvoll sein, damit im Sitzland nicht der volle Quellensteuersatz einbehalten wird.

Warum kann ich mir Geld nur auf ein bestimmtes Konto auszahlen lassen?

Das Referenzkonto-Prinzip ist eine Geldwäsche-Vorgabe: Auszahlungen gehen nur an ein verifiziertes Konto, das auf deinen Namen läuft. Ein Kontowechsel muss deshalb separat verifiziert werden und dauert entsprechend.

Lohnt es sich, den Freistellungsauftrag sofort einzurichten?

Ja. Ohne Freistellungsauftrag behält ein deutscher Broker die Abgeltungsteuer auch dann ein, wenn du insgesamt unter dem Sparerpauschbetrag bleibst — du müsstest sie dir später über die Steuererklärung zurückholen.