Redaktion: Daniel Benz · So bewerten wir
Xetra, gettex, Tradegate: was die Handelsplatz-Wahl beim Aktienkauf ändert
Xetra arbeitet mit einem zentralen Orderbuch vieler Marktteilnehmer, gettex und Tradegate dagegen als Market-Maker-Modelle mit einem einzelnen Kursstellenden. Von den neun geprüften Brokern bieten sechs eine manuelle Auswahl zwischen mehreren Handelsplätzen, einer (Trade Republic) automatisiertes Bestpreis-Routing, und zwei arbeiten mit genau einem festen Handelsplatz ohne jede Wahl.
Inhalt dieses Artikels
Wer eine Aktie oder einen ETF kauft, wählt dabei — oft ohne es bewusst zu merken — auch einen Handelsplatz. Xetra, gettex und Tradegate sind die drei häufigsten Optionen für deutsche Privatanleger, funktionieren aber technisch unterschiedlich.
Zentrales Orderbuch vs. Market-Maker-Modell
Xetra ist das elektronische Handelssystem der Deutsche Börse AG mit einem zentralen Orderbuch: Käufer- und Verkäuferaufträge vieler Marktteilnehmer treffen dort direkt aufeinander, unterstützt durch Designated Sponsors. gettex (Börse München) und Tradegate funktionieren dagegen als Market-Maker-Modelle — ein einzelner Marktteilnehmer stellt fortlaufend Kauf- und Verkaufskurse gegen dein Handelskonto, statt dass dein Auftrag im offenen Orderbuch auf andere Anleger trifft.
Welche Handelsplätze die neun geprüften Broker tatsächlich anbieten
Die Bandbreite ist groß: finanzen.net ZERO handelt ausschließlich über gettex, tradegate.direct ausschließlich über die Tradegate Exchange — bei beiden gibt es keine Wahlmöglichkeit. CapTrader bietet über die Anbindung an Interactive Brokers Zugang zu mehr als 170 Börsen in über 37 Ländern. justTRADE, SMARTBROKER+, Traders Place, Joe Broker und Scalable Capital lassen dich zwischen mehreren deutschen und teils internationalen Handelsplätzen selbst wählen, darunter meist Xetra, gettex und Tradegate nebeneinander. Trade Republic geht seit dem PFOFPFOF bezeichnet Zahlungen, die ein Broker von einem Market Maker oder Handelsplatz dafür erhält, dass er Kundenorders dorthin weiterleitet statt an eine Börse. …-Verbot einen anderen Weg: automatisiertes Bestpreis-Routing über bis zu 30 angebundene Handelsplätze, alternativ eine manuell wählbare Direktpreis-Order.
Mehr Handelsplätze bedeuten nicht automatisch bessere Preise — für liquide deutsche Standardwerte unterscheiden sich die Kurse zwischen Xetra, gettex und Tradegate in der Praxis oft nur geringfügig. Relevant wird die Wahl vor allem bei weniger liquiden Werten oder außerhalb der Kernhandelszeiten.
Längere Handelszeiten seit Ende 2025
Xetra hat seine Kernhandelszeit von Mo–Fr 9:00 bis 17:30 Uhr; seit Dezember 2025 können Privatanleger über dafür registrierte Broker zusätzlich von 8:00 bis 22:00 Uhr handeln — außerhalb der Kernzeit allerdings nur gegen einen einzelnen Retail Liquidity Provider statt im echten zentralen Orderbuch. gettex und Tradegate bieten von jeher deutlich längere Handelsfenster als die klassische Xetra-Kernzeit, weil ihr Market-Maker-Modell keine Öffnungs- oder Schlussauktion mit vielen Teilnehmern benötigt.
Häufige Fragen
Ist Xetra grundsätzlich besser als gettex oder Tradegate?
Nicht grundsätzlich. Xetra bündelt laut Deutsche Börse den größten Teil des deutschen Aktienhandels und bietet für viele Standardwerte die höchste Liquidität, aber für gängige Aktien und ETFs handeln viele Privatanleger auch über gettex oder Tradegate ohne spürbaren Nachteil.
Welcher Broker bietet die meisten Handelsplätze?
CapTrader über die Anbindung an Interactive Brokers mit mehr als 170 Börsen in über 37 Ländern — deutlich mehr als die auf den deutschen Markt fokussierten Broker in diesem Vergleich.
Kann ich außerhalb der Xetra-Kernzeit noch im zentralen Orderbuch handeln?
Nein. Außerhalb der Kernhandelszeit (9:00–17:30 Uhr) läuft der erweiterte Xetra-Handel (8:00–22:00 Uhr, seit Dezember 2025) nur gegen einen einzelnen Retail Liquidity Provider, nicht im echten zentralen Orderbuch mit mehreren Marktteilnehmern.
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