Risiko6 Min. · Veröffentlicht am

Redaktion: Daniel Benz · So bewerten wir

Was sind CFDs — und für wen sie (nicht) geeignet sind

Ein CFD (Differenzkontrakt) ist eine Vereinbarung mit dem Broker über die Kursdifferenz eines Basiswerts — der Basiswert selbst wird nie erworben. Gehandelt wird mit Hebel auf eine hinterlegte Margin; für Kleinanleger gelten seit 2018 EU-weite ESMA-Hebelobergrenzen (30:1 bis 2:1 je nach Basiswert), eine Nachschusspflicht ist gesetzlich ausgeschlossen. Laut EU-Pflichtangabe verlieren bei den drei geprüften Anbietern zwischen 57,9 % und 74 % der Kleinanlegerkonten Geld — CFDs sind ein Instrument für kurzfristige Spekulation, kein Ersatz für ein Wertpapierdepot.

Inhalt dieses Artikels
  1. Kein Eigentum am Basiswert
  2. Wie Hebel und Margin funktionieren
  3. Warum jeder CFD-Anbieter eine Verlustquote ausweisen muss
  4. Was CFD-Handel kostet
  5. Abgrenzung zum Wertpapierdepot
  6. Für wen CFDs in Frage kommen — und für wen nicht

Ein CFD (Contract for Difference, Differenzkontrakt) ist keine Aktie und kein Fonds, sondern eine Vereinbarung zwischen dir und deinem Broker: Ausgeglichen wird die Kursdifferenz eines Basiswerts — einer Aktie, eines Index, eines Währungspaars, eines Rohstoffs oder eines Kryptowerts — zwischen Eröffnung und Schließung deiner Position. Steigt der Kurs in deine Richtung, zahlt der Broker dir die Differenz; läuft er gegen dich, zahlst du sie. Welche Anbieter diese Seite dafür geprüft hat und woran sie sich messen lassen müssen, zeigt der CFD-Vergleich — dieser Artikel erklärt vorab das Produkt selbst.

Kein Eigentum am Basiswert

Der wichtigste strukturelle Unterschied zum Wertpapierdepot: Beim Kauf eines CFDsEin CFD (Contract for Difference, Differenzkontrakt) ist eine Vereinbarung zwischen Anleger und Broker, die Kursdifferenz eines Basiswerts (Aktie, Index, Währungspaar, Rohstoff, Kryptowert) zwischen Eröffnung und Schließung der Position auszugleichen. … erwirbst du zu keinem Zeitpunkt den Basiswert. Eine Aktie im Depot ist Bruchteilseigentum mit Stimm- und Dividendenrechten, ein ETF-Anteil ist rechtlich geschütztes Sondervermögen. Ein CFD ist dagegen nur eine Forderung gegen den Broker — dein Vertragspartner ist nicht der Markt, sondern das Unternehmen, bei dem du das Konto führst. Entsprechend hängt die Absicherung am Broker selbst: Bei allen drei Anbietern im Vergleich ist die AnlegerentschädigungDie Anlegerentschädigung beruht auf der EU-Richtlinie 97/9/EG, in Deutschland umgesetzt durch das Anlegerentschädigungsgesetz (AnlEntG). … im Insolvenzfall des Brokers auf 20.000 € pro Kunde begrenzt — deutlich unter den 100.000 € der gesetzlichen EinlagensicherungDie gesetzliche Einlagensicherung schützt Bankguthaben bis 100.000 € pro Kunde und Institut, unabhängig von der Kontoanzahl. … für Bankguthaben.

Wie Hebel und Margin funktionieren

CFDs werden üblicherweise gehebelt gehandelt: Du hinterlegst nur einen Bruchteil des Positionswerts als Sicherheitsleistung (MarginDie Margin ist die Sicherheitsleistung, die ein Broker für das Eröffnen und Halten einer gehebelten Position verlangt — der Anteil des Positionswerts, den der Anleger selbst hinterlegen muss. …), der Broker stellt den Rest. Bei einem HebelDer Hebel gibt an, um welchen Faktor der bewegte Positionswert das eingesetzte eigene Kapital übersteigt: Bei einem Hebel von 5:1 steuert der Anleger ein Fünftel des Positionswerts selbst bei (die Margin), der Broker finanziert den Rest. … von 5:1 bewegst du mit 1.000 € Einsatz eine Position von 5.000 € — und genau darin liegt das Risiko, denn Gewinne und Verluste berechnen sich auf den vollen Positionswert. Fällt der Kurs um 10 %, sind bei 5:1 bereits 50 % deines Einsatzes weg.

Wie viel Hebel ein Broker Kleinanlegern überhaupt anbieten darf, entscheidet nicht seine Werbung, sondern die EU-Aufsicht: Die ESMA-HebelgrenzenDie EU-Wertpapieraufsicht ESMA schreibt seit 2018 verbindliche Hebelobergrenzen für den CFD-Handel von Kleinanlegern vor, gestaffelt nach Basiswert: 30:1 bei großen Währungspaaren, 20:1 bei kleineren Währungspaaren, Gold und großen Indizes, 10:1 bei anderen Rohstoffen, 5:1 bei Einzelaktien und 2:1 bei Kryptowerten. … gelten seit 2018 verbindlich und sind nach Basiswert gestaffelt:

  • 30:1 bei großen Währungspaaren
  • 20:1 bei kleineren Währungspaaren, Gold und großen Indizes
  • 10:1 bei anderen Rohstoffen
  • 5:1 bei Einzelaktien
  • 2:1 bei Kryptowerten

Höhere Hebel — manche Anbieter werben mit Werten bis 200x — sind nur für Kunden zulässig, die sich ausdrücklich als „professionell" einstufen lassen und damit auf die Kleinanlegerschutzmaßnahmen verzichten. Zu diesen Schutzmaßnahmen gehört auch der zweite zentrale Baustein: Eine NachschusspflichtNachschusspflicht bedeutet, dass ein Anleger bei gehebelten Geschäften über sein Kontoguthaben hinaus Geld nachzahlen muss, wenn Verluste die hinterlegte Sicherheitsleistung übersteigen — etwa nach einer abrupten Kurslücke, in der der Broker die Position nicht mehr rechtzeitig schließen konnte. … ist für Kleinanleger EU-weit gesetzlich ausgeschlossen (Negative Balance Protection). Dein Konto kann nicht unter null fallen, der maximale Verlust ist auf das eingezahlte Kapital begrenzt — mehr aber eben auch nicht: Das eingezahlte Kapital selbst steht vollständig im Risiko.

Warum jeder CFD-Anbieter eine Verlustquote ausweisen muss

Auf jeder CFD-Werbung und -Website steht ein Satz wie „74 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter". Das ist keine freiwillige Ehrlichkeit, sondern eine EU-Pflichtangabe nach ESMA-Vorgabe: Jeder Anbieter muss seine eigene Kleinanleger-VerlustquoteCFD-Anbieter in der EU müssen nach ESMA-Vorgabe offenlegen, welcher Anteil ihrer Kleinanlegerkonten beim CFD-Handel Geld verliert — die Zahl steht als Pflicht-Risikowarnung auf Website und Werbung des jeweiligen Anbieters. … offenlegen. Im Vergleich dieser Seite reicht sie von 57,9 % bei CapTrader über 72 % bei IG bis 74 % bei TRADE.com.

Die Verlustquote ist die ehrlichste Kennzahl im CFD-Handel: eine Eigenangabe des Anbieters, keine Schätzung Dritter — und sie weist bei allen drei geprüften Anbietern aus, dass die Mehrheit der Kleinanlegerkonten Geld verliert. Warum eine Quote niedriger liegt als eine andere (Kundenstruktur, Handelsverhalten, Produktmix), legt kein Anbieter im Detail offen.

Was CFD-Handel kostet

CFD-Broker verdienen über zwei Grundmodelle, oft kombiniert. Beim SpreadDer Spread ist die Differenz zwischen Geldkurs (Kaufpreis, den ein Market Maker zahlt) und Briefkurs (Verkaufspreis, den er verlangt) eines Wertpapiers. …-Modell zahlst du keine Ordergebühr, dafür eine Differenz zwischen An- und Verkaufskurs — so arbeitet TRADE.com, allerdings ohne veröffentlichte exakte Pip-Werte je Instrument, was den Vergleich erschwert. Beim Kommissionsmodell fällt eine ausgewiesene Gebühr je Trade an — bei CapTrader etwa 0,10 % bei Aktien-CFDs im Euroraum. IG mischt beides: 0,05 % Kommission (mindestens 5 €) auf Aktien-CFDs, Spread ohne Kommission bei Forex, Indizes, Rohstoffen und Kryptowerten (z. B. EUR/USD ab 0,9 Pips).

Dazu kommt bei allen Anbietern die ÜbernachtfinanzierungDie Übernachtfinanzierung (auch Swap- oder Haltekosten) ist eine tägliche Gebühr, die CFD-Broker für gehebelte Positionen berechnen, die über den täglichen Handelsschluss hinaus gehalten werden — der Broker finanziert den fremdfinanzierten Teil der Position und reicht diese Finanzierungskosten samt Aufschlag an den Anleger weiter. … (Swap): eine tägliche Gebühr auf gehebelte Positionen, die über den Handelsschluss hinaus gehalten werden. Sie fällt jede Nacht erneut an und macht CFDs strukturell teuer als langfristige Anlage — das Produkt ist für kurzfristigen Handel gebaut. Und wer gar nicht handelt, zahlt teils trotzdem: TRADE.com berechnet 25 $ pro Monat nach 90 Tagen ohne Handelsaktivität, IG 14 € pro Monat nach 24 Monaten ohne Aktivität.

Abgrenzung zum Wertpapierdepot

Ein Wertpapierdepot und ein CFD-Konto lösen verschiedene Aufgaben. Sparplan und Altersvorsorge leben von langer Haltedauer, echtem Eigentum am Basiswert und niedrigen laufenden Kosten — genau die drei Punkte, an denen CFDs strukturell scheitern: keine Eigentümerstellung, tägliche Haltekosten, und ein Hebel, der kurzfristige Kursschwankungen vervielfacht statt sie auszusitzen. Wer Vermögen aufbauen will, findet den passenden Ausgangspunkt deshalb im Broker-Vergleich dieser Seite, nicht im CFD-Vergleich. Umgekehrt ist ein CFD-Konto kein schlechteres Depot, sondern ein anderes Werkzeug: kurzfristige Positionen auf steigende und fallende Kurse, mit kalkuliert kleinem Einsatz.

Für wen CFDs in Frage kommen — und für wen nicht

Nicht geeignet sind CFDs für den Vermögensaufbau per Sparplan, für die Altersvorsorge und für Einsteiger, die gerade ihre ersten Schritte an der Börse machen — die Pflichtangaben der Anbieter selbst dokumentieren, dass die Mehrheit der Kleinanlegerkonten verliert. In Frage kommen sie für erfahrene Anleger, die bewusst kurzfristig spekulieren wollen, das Produkt verstanden haben und ausschließlich Kapital einsetzen, dessen Totalverlust sie verkraften. Wer das für sich bejaht, findet im Vergleich drei unterschiedliche Profile: TRADE.com als reinen Retail-CFD-Broker mit niedriger Einstiegshürde (ab 100 $) und dokumentierten Schwächen beim Nutzervertrauen, CapTrader mit CFDs als kommissionsbasiertem Zusatz zum Wertpapierdepot, und IG als am strengsten regulierten Anbieter mit eigener deutscher BaFin-Lizenz und einem seit 1974 aktiven, börsennotierten Mutterkonzern.

Häufige Fragen

Besitze ich mit einem Aktien-CFD die Aktie?

Nein. Ein CFD bildet nur die Kursdifferenz der Aktie ab — du erwirbst kein Bruchteilseigentum, keine Stimmrechte und keinen Sondervermögensschutz, sondern hältst eine Forderung gegen den Broker. Echtes Aktieneigentum vermitteln die Broker & Depots im Wertpapier-Vergleich dieser Seite.

Wie hoch darf der Hebel für Kleinanleger sein?

Die ESMA schreibt seit 2018 EU-weite Obergrenzen vor: 30:1 bei großen Währungspaaren, 20:1 bei kleineren Paaren, Gold und großen Indizes, 10:1 bei anderen Rohstoffen, 5:1 bei Einzelaktien und 2:1 bei Kryptowerten. Höhere Hebel gibt es nur für ausdrücklich als professionell eingestufte Kunden.

Kann ich beim CFD-Handel mehr verlieren, als ich eingezahlt habe?

Als Kleinanleger nein: Die Nachschusspflicht ist EU-weit gesetzlich ausgeschlossen (Negative Balance Protection), das Konto kann nicht unter null fallen. Das eingezahlte Kapital selbst steht aber vollständig im Risiko — und laut Pflichtangabe der Anbieter verliert die Mehrheit der Kleinanlegerkonten Geld.

Was bedeutet die Angabe „74 % der Kleinanlegerkonten verlieren Geld“?

Das ist eine EU-Pflichtangabe nach ESMA-Vorgabe: Jeder CFD-Anbieter muss offenlegen, welcher Anteil seiner Kleinanlegerkonten beim CFD-Handel Geld verliert. Die Zahl stammt vom Anbieter selbst — im Vergleich dieser Seite reicht sie von 57,9 % (CapTrader) über 72 % (IG) bis 74 % (TRADE.com).