Grundlagen
Warum dieselbe Bewertung bei P2P, Broker und Krypto nicht dasselbe bedeutet
Grundlagen4 Min. LesezeitVeröffentlicht am
Von Daniel Benz, Betreiber und redaktionell verantwortlich · aktualisiert am
Inhalt dieses Artikels
Neben P2P-Plattformen und Brokern bewertet diese Seite inzwischen auch Krypto-Börsen, Tagesgeld-/Festgeld-Anbieter und Robo-Advisor, alle auf derselben Notenskala von 0 bis 5. Das legt eine direkte Vergleichbarkeit nahe, die es in dieser Form nicht gibt — die Anlageklassen werden anhand unterschiedlicher Achsen und Gewichtungen bewertet, weil sie fundamental unterschiedliche Risiken und Kostenstrukturen haben.
Unterschiedliche Gewichtungsmodelle
Bei P2P-Plattformen zählen Rendite und Sicherheit mit je 30 % am meisten, gefolgt von Kosten und Transparenz mit je 15 % und Nutzerbewertung mit 10 %. Bei Brokern und Krypto-Börsen dominiert dagegen die Kosten-Achse mit 30 %, gefolgt von einer Steuerkomfort- beziehungsweise Steuer-Service-Achse mit 20 %, Sicherheit mit 20 %, Angebot mit 15 % und Nutzerbewertung mit 15 %. Bei Tagesgeld- und Festgeld-Anbietern steht der Zinssatz mit 35 % vorn, bei Robo-Advisorn die Kosten mit 35 %; beide gewichten Sicherheit mit 25 %, Konditionen mit 20 % und Nutzerbewertung mit 20 %.
Warum die Achsen selbst unterschiedlich heißen
Der Unterschied ist kein Zufall. Bei P2P-Plattformen schwankt die Rendite stark zwischen Anbietern und ist ein zentrales Entscheidungskriterium, weshalb sie eine eigene, hoch gewichtete Achse bekommt — bei Broker- und Krypto-Depots dagegen hängt die "Rendite" fast ausschließlich vom gewählten Wertpapier oder Coin ab, nicht vom Anbieter, weshalb dort stattdessen Kosten die Hauptachse bilden.
Auch die zweite große Achse unterscheidet sich inhaltlich, obwohl sie bei Brokern und Krypto-Börsen ähnlich hoch gewichtet ist: Bei Brokern misst "Steuerkomfort" schlicht, ob die deutsche KapitalertragsteuerDie Kapitalertragsteuer ist keine eigene Steuerart, sondern die technische Erhebungsform der Abgeltungsteuer: Bank oder Broker behalten 25 % auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne direkt an der Quelle ein und führen sie automatisch ans Finanzamt ab, statt dass du sie selbst in der Steuererklärung angibst. automatisch abgeführt wird (10 Punkte) oder nicht (3 Punkte) — eine binäre Eigenschaft. Bei Krypto-Börsen kann diese automatische Abführung aus rechtlichen Gründen praktisch nie stattfinden, weil Krypto-Gewinne unter § 23 EStG statt der AbgeltungsteuerDie Abgeltungsteuer ist eine pauschale Steuer von 25 % auf Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Kursgewinne, die mit dem Einbehalt an der Quelle (durch Bank/Broker) grundsätzlich abgegolten ist — eine gesonderte Angabe in der Steuererklärung ist meist nicht nötig. fallen. Die dortige Achse "Steuer-Service" misst deshalb etwas anderes: die Qualität der CSV- oder API-Anbindung an Steuer-Tools wie Blockpit oder CoinTracking, mit der du deine Steuererklärung selbst leichter erstellen kannst.
Merksatz
Eine 3,5 bei einer P2P-Plattform sagt: solide Rendite und Sicherheit bei mittleren Kosten. Eine 3,5 bei einem Broker sagt: eher günstige Kosten und automatische Steuerabführung, aber vielleicht ein schmales Produktangebot. Beide Zahlen sind intern konsistent, aber nicht direkt gegeneinander aufrechenbar.
Ein Rechenbeispiel mit echten Achsenwerten
Mintos erreicht als P2P-Plattform die Note 3,3 (gewichtete Summe der Achsen 6,7 von 10, geteilt durch 2): Rendite 5,6, Sicherheit 6,5, Kosten 7,5, Transparenz 8,0 und Nutzerbewertung 7,7, gewichtet mit 30/30/15/15/10 %. CapTrader erreicht als Broker die Note 2,9 (gewichtete Summe 5,8 von 10): Kosten 5,0, Angebot 10,0, Steuerkomfort 3,0, Sicherheit 5,0 und Nutzerbewertung 7,8, gewichtet mit 30/15/20/20/15 %. Beim Angebot liegt CapTrader höher als Mintos bei jeder seiner Achsen — trotzdem landet die Gesamtnote niedriger, weil Steuerkomfort und Sicherheit mit je 20 % zählen und die mit 30 % höchstgewichtete Kosten-Achse bei CapTrader nur 5,0 erreicht. Beide Rechnungen sind für sich genommen korrekt, zeigen aber, wie wenig eine einzelne Achse über die Gesamtnote aussagt, ohne die dahinterliegende Gewichtung zu kennen.
Was das für die eigene Auswahl bedeutet
Für einen Vergleich innerhalb derselben Anlageklasse ist die Note weiterhin ein verlässlicher, transparent nachvollziehbarer Indikator. Über Anlageklassen hinweg — etwa die Frage, ob P2P oder Broker "insgesamt besser" abschneidet — beantwortet die Note dagegen keine sinnvolle Frage, weil beide Klassen von Grund auf unterschiedliche Risiken eingehen und nach unterschiedlichen Kriterien bewertet werden. Der Auswahl-Assistent und der direkte Vergleich innerhalb einer Klasse sind für diese Entscheidung der bessere Ausgangspunkt als ein klassenübergreifender Notenvergleich.
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Häufige Fragen
Warum wird Krypto nicht genauso wie P2P mit einer eigenen Rendite-Achse bewertet?
Weil die Rendite bei Krypto-Börsen fast ausschließlich vom gewählten Coin und dem Marktgeschehen abhängt, nicht vom Anbieter selbst — anders als bei P2P-Plattformen, wo die angebotene Zinsrendite zwischen Plattformen deutlich variiert und damit ein aussagekräftiges Unterscheidungsmerkmal ist.
Kann ich die Gewichtung selbst anpassen?
Ja, auf den jeweiligen Übersichtsseiten lässt sich die Gewichtung der Achsen individuell verändern — die Note wird dann live mit deinen eigenen Prioritäten statt der Standardgewichtung neu berechnet.
Ist eine bessere Note bei Krypto automatisch sicherer als eine schlechtere bei P2P?
Nein. Die Noten sind nur innerhalb derselben Anlageklasse direkt vergleichbar. Eine schlechtere Note bei einer riskanteren Anlageklasse wie P2P kann trotzdem die für dich passendere Wahl sein, wenn du das damit verbundene höhere Risiko bewusst eingehst.
Warum kann ein Broker mit höheren Einzelwerten trotzdem eine niedrigere Gesamtnote haben?
Weil die Gewichtung entscheidet, nicht die Anzahl hoher Einzelwerte. CapTrader etwa erreicht beim Angebot 10,0 und damit mehr als Mintos auf irgendeiner Achse, landet insgesamt aber bei der Note 2,9 statt 3,3: Steuerkomfort (3,0) und Sicherheit (5,0) zählen je 20 %, und die mit 30 % höchstgewichtete Kosten-Achse steht bei CapTrader auf 5,0.
Korrekturen an diesem Artikel
- : CapTrader: Ordergebühr am günstigsten HandelsplatzDas Profil setzte die Xetra-Mindestgebühr von 4 € als Ordergebühr an. Laut Konditionstabelle von CapTrader kostet eine Aktienorder an gettex und Tradegate 0,1 % vom Volumen, mindestens 2 € (Xetra mindestens 4 €). Wie bei den anderen Brokern zählt der günstigste deutsche Handelsplatz: 2 €. Kosten-Achse 0,0 → 5,0, Punktzahl 4,3 → 5,8.
Quellen
Daniel Benz · Betreiber und redaktionell verantwortlich
Daniel Benz betreibt Vermögen sparen und verantwortet Auswahl der Kriterien, Recherche und Freigabe jedes Textes und jeder Zahl auf dieser Seite.