Sind P2P-Kredite sicher? Die Risiken im Überblick
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Von Daniel Benz, Betreiber und redaktionell verantwortlich
Kapitel 1 von 6 im Lernpfad P2P-Kredite verstehen: der Lernpfad in 6 Kapiteln
Inhalt dieses Artikels
Wer Geld über eine P2P-Plattform verleiht, hat danach kein Bankguthaben, sondern eine Forderung: gegen die Plattform beziehungsweise gegen die Kreditgeber, die dahinterstehen. Ob das „sicher" ist, entscheidet sich deshalb nicht an einer einzigen Stelle, sondern an mehreren Risiken, die aufeinander aufbauen. Dieses erste Kapitel des Lernpfads fasst sie zusammen. Die Kapitel 2 bis 6 gehen jeweils in die Tiefe.
Merksatz
P2P-Kredite unterliegen keiner gesetzlichen Einlagensicherung. Eine Rückkaufgarantie ist nur so belastbar wie der Kreditgeber, der sie ausspricht. Ein Totalverlust ist möglich.
Keine Einlagensicherung
Die gesetzliche EinlagensicherungDie gesetzliche Einlagensicherung schützt Bankguthaben bis 100.000 € pro Kunde und Institut, unabhängig von der Kontoanzahl. schützt Bankguthaben bis 100.000 € pro Kunde und Institut. Sie gilt nur für Bargeld bei Banken mit VollbanklizenzDie Vollbanklizenz erlaubt einem Kreditinstitut (CRR-Kreditinstitut) das Einlagengeschäft — also die Entgegennahme rückzahlbarer Kundengelder — sowie die Kreditvergabe für eigene Rechnung., nicht für die meisten P2P-Plattformen. Kredit-Notes, besicherte Darlehen und vergleichbare Forderungen sind weder Bankguthaben noch SondervermögenDas Fondsvermögen eines Investmentfonds (z. B. ETF) gilt rechtlich als Sondervermögen und muss nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) getrennt vom eigenen Vermögen der Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) gehalten werden, meist verwahrt bei einer unabhängigen Verwahrstelle (Depotbank).. Für sie existiert kein gesetzlicher Schutzmechanismus.
Hat eine Plattform eine MiFID-II-Lizenz, gibt es zusätzlich eine AnlegerentschädigungDie Anlegerentschädigung beruht auf der EU-Richtlinie 97/9/EG, in Deutschland umgesetzt durch das Anlegerentschädigungsgesetz (AnlEntG).. Sie betrifft aber nur das Cash-Konto auf der Plattform, nie das eigentliche Investment.
Das Kreditgeber-Risiko und die Rückkaufverpflichtung
Bei vielen Plattformen vergibt nicht die Plattform selbst die Kredite, sondern ein Loan OriginatorDer Loan Originator ist das Unternehmen, das den zugrunde liegenden Kredit tatsächlich vergibt und dessen Bonitätsprüfung durchführt — bei vielen P2P-Plattformen nicht die Plattform selbst, sondern ein angeschlossenes Kreditinstitut oder eine Fintech-Tochter, oft im gleichen Land oder sogar im gleichen Konzern wie die Plattform.: ein angeschlossenes Kreditinstitut oder eine Fintech-Tochter, oft im gleichen Land oder sogar im gleichen Konzern wie die Plattform. Er führt auch die Bonitätsprüfung durch.
7 der 14 geprüften Plattformen bieten eine RückkaufverpflichtungBei P2P-Krediten verpflichtet sich der Kreditgeber (Loan Originator) vertraglich, eine Forderung zum Nominalwert plus aufgelaufener Zinsen zurückzukaufen, wenn ein Kredit eine bestimmte Verzugsfrist überschreitet — bei Mintos beispielsweise 60 Tage.. Überschreitet ein Kredit eine bestimmte Verzugsfrist, bei Mintos zum Beispiel 60 Tage, muss der Kreditgeber die Forderung zum Nominalwert plus aufgelaufener Zinsen zurückkaufen. Das nimmt dir das Ausfallrisiko nicht ab. Es ersetzt das Risiko des einzelnen Kreditnehmers durch ein anderes: das Risiko, dass der Kreditgeber seiner Rückkaufpflicht nicht nachkommt.
Mintos hat den Begriff im November 2020 von „Buyback Guarantee" in „Buyback Obligation" umbenannt, mit der Begründung, „Garantie" könne im Kontext von Kreditinvestments falsch verstanden werden. Die Verpflichtung ist ein vertragliches Versprechen eines einzelnen Unternehmens, keine Garantie eines Dritten. Wird der Kreditgeber insolvent, bleibt dir eine gewöhnliche Insolvenzforderung, oft in einem langwierigen Recovery-Verfahren. Rückkaufverpflichtungen federn einzelne, unabhängige Ausfälle ab. Sie versagen aber, wenn ein Schock mehrere Kreditgeber gleichzeitig trifft: 2020 gerieten laut unabhängiger Auswertung 17 Kreditgeber auf Mintos gleichzeitig in Zahlungsschwierigkeiten.
Wie der Mechanismus funktioniert und an welchen Fällen er gebrochen ist, zeigt Kapitel 3: Rückkaufverpflichtung: was sie leistet und wann sie bricht.
Ausfälle und warum Ausfallquoten wenig verraten
Fällt ein Kreditnehmer oder Kreditgeber aus, trägst du dieses Risiko. Wie hoch es ist, sollen veröffentlichte AusfallquotenDie Ausfallquote gibt an, welcher Anteil der vergebenen Kredite seine Rückzahlung nicht wie vereinbart leistet. zeigen. Viele Plattformen veröffentlichen aber gar keine offizielle, plattformweite Quote. Und wo es eine gibt, hängt sie stark von drei Dingen ab:
- ab wie vielen Tagen Verzug ein Kredit als ausgefallen zählt (30, 60 oder 90 Tage)
- zu welchem Zeitpunkt gemessen wird
- wie schnell das Kreditbuch wächst
Der letzte Punkt ist der tückischste. Ein schnell wachsendes Portfolio zeigt mechanisch niedrige Ausfallquoten, weil junge Kredite noch keine Zeit zum Ausfallen hatten. Aussagekräftig sind Kohorten-Verlustquoten nach abgeschlossener Recovery, nicht Momentaufnahmen. Wie weit eine Statistik der Wirklichkeit hinterherhinken kann, zeigt Mintos: Die vom Fall Nera Capital betroffenen Forderungen zählten Berichten zufolge bis Juli 2026 in der öffentlichen Statistik noch als „aktuell", obwohl die Zahlungsprobleme bereits seit April 2026 bestanden.
Welche Fragen du einer Quote stellen solltest, erklärt Kapitel 4: Ausfallquoten lesen lernen.
Plattform-Risiko und Regulierung
„Reguliert" steht auf praktisch jeder P2P-Plattform, ist aber kein einheitliches Gütesiegel. In der EU gibt es zwei Regelwerke: die volle MiFID-IIMiFID II ist die EU-weite Finanzmarktrichtlinie, die Wertpapierdienstleistungen wie Anlagevermittlung, Portfolioverwaltung und Eigenhandel reguliert.-Lizenz als Wertpapierfirma und die leichtere ECSP-LizenzDie ECSP-Lizenz (European Crowdfunding Service Provider) ist eine EU-weite Zulassung nach der Schwarmfinanzierungsverordnung (EU) 2020/1503, speziell für Crowdfunding- und P2P-Plattformen. nach der Schwarmfinanzierungsverordnung (EU) 2020/1503. Andere Plattformen im Vergleichsfeld arbeiten unter ganz anderen oder gar keinen Lizenzmodellen.
Der wichtigste Unterschied für dich: MiFID-II-Firmen gehören zu einem gesetzlichen Anlegerentschädigungssystem, das 90 % der Forderung bis höchstens 20.000 € abdeckt, wenn die Plattform selbst insolvent wird und Kundengelder nicht mehr herausgeben kann. ECSP-Anbieter kennen keinen vergleichbaren Mechanismus. Vor dem Ausfall einzelner Kreditnehmer oder Kreditgeber schützt keine der beiden Lizenzstufen.
Eine hohe Lizenzstufe verhindert auch kein Missmanagement und keine Interessenkonflikte. Mintos und Debitum halten beide eine volle MiFID-II-Lizenz, und bei beiden sind Vorfälle dokumentiert (siehe unten). Die Unterschiede der Regelwerke im Detail stehen in Kapitel 2: MiFID-II vs. ECSP: wer reguliert P2P-Plattformen wirklich?
Liquidität: wann du wieder an dein Geld kommst
Eine P2P-Investition läuft normalerweise bis zum vereinbarten Laufzeitende oder bis eine RückkaufverpflichtungBei P2P-Krediten verpflichtet sich der Kreditgeber (Loan Originator) vertraglich, eine Forderung zum Nominalwert plus aufgelaufener Zinsen zurückzukaufen, wenn ein Kredit eine bestimmte Verzugsfrist überschreitet — bei Mintos beispielsweise 60 Tage. bei Zahlungsverzug greift. Beides liegt außerhalb deiner Kontrolle. Nur ein Teil der geprüften Plattformen hat einen Sekundärmarkt, über den du laufende Anteile an andere Anleger verkaufen kannst. Die übrigen binden dein Kapital bis zum Laufzeitende oder bis eine Rückkaufverpflichtung greift.
Auch ein Sekundärmarkt garantiert keinen Verkauf. Er hängt von der Nachfrage anderer Anleger ab, und für einen bereits notleidenden Kredit findet sich in der Praxis kaum ein Käufer. Bei gepoolten Produkten gilt Ähnliches: Die beworbene werktägliche Verfügbarkeit von Bondora Go & Grow ist laut Anbieter ausdrücklich nicht garantiert, während der Corona-Krise 2020 kam es zu mehrwöchigen Auszahlungsverzögerungen. Mehr dazu in Sekundärmarkt bei P2P: vorzeitig verkaufen.
Was bisher passiert ist
Die Risiken sind nicht theoretisch. Die Vorfälle-Chronik sammelt datierte und belegte Vorfälle bei den geprüften Anbietern. Bei P2P-Plattformen stehen dort unter anderem:
- August 2026, Mintos: Mit Nera Capital und MFO FinTech Finance sind seit August 2026 zwei Kreditgeber offiziell suspendiert. Rund 198 Mio. € stehen seither „in Recovery", der bislang größte Ausfall der Plattformgeschichte.
- März 2026, Debitum: Eine anhand von Grundbuchdaten belegte Recherche zeigt, dass 7 der 9 Kreditgeber auf Debitum, rund 87 % des damaligen Portfolios von 58,4 Mio. €, mit einem einzigen lettischen Familiennetzwerk verbunden sind. Debitum wies die Vorwürfe zurück.
- 2024, Twino: Laut Twino fiel ein vietnamesischer Kreditgeber aus. Drittquellen beziffern den Verlust auf mindestens 1,3 Mio. €, die Rückgewinnungsaussichten schätzt Twino selbst als sehr begrenzt ein.
Steuern in einem Satz
Viele P2P-Plattformen führen keine KapitalertragsteuerDie Kapitalertragsteuer ist keine eigene Steuerart, sondern die technische Erhebungsform der Abgeltungsteuer: Bank oder Broker behalten 25 % auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne direkt an der Quelle ein und führen sie automatisch ans Finanzamt ab, statt dass du sie selbst in der Steuererklärung angibst. ab, du trägst die Zinsen deshalb selbst in die Anlage KAPDie Anlage KAP ist das Formular der deutschen Einkommensteuererklärung für Kapitalerträge. ein, und ein Kreditausfall mindert sie nicht automatisch. Wie das geht, zeigt Kapitel 6: P2P-Zinsen in der Anlage KAP.
Was du daraus machst
P2P-Kredite sind also nicht „sicher" im Sinne eines Bankkontos. Einige Risiken lassen sich aber begrenzen:
- Über unabhängige Kreditgeber streuen, nicht nur über viele Kredite. DiversifikationIm P2P-Kontext bedeutet Diversifikation, Anlagebeträge über möglichst viele unabhängige Kredite, Loan Originators, Länder und Kreditarten zu streuen, statt auf einen einzelnen Kredit oder Kreditgeber zu konzentrieren. heißt im P2P-Kontext, über möglichst viele unabhängige Kredite, Loan Originators, Länder und Kreditarten zu streuen. Viele Kredite bei wenigen unabhängigen Loan Originators schützen kaum besser als wenige Kredite bei einem einzigen. Wie du das mit einer Obergrenze pro Loan Originator umsetzt, erklärt Kapitel 5: Auto-Invest bei P2P richtig einstellen.
- Prüfen, wer hinter der Rückkaufverpflichtung steht. Sie ist nur so viel wert wie der Kreditgeber, der sie eingegangen ist.
- Nur Geld einsetzen, dessen Verlust du verkraften kannst. Ein Totalverlust ist möglich, auch bei regulierten Plattformen und mit RückkaufverpflichtungBei P2P-Krediten verpflichtet sich der Kreditgeber (Loan Originator) vertraglich, eine Forderung zum Nominalwert plus aufgelaufener Zinsen zurückzukaufen, wenn ein Kredit eine bestimmte Verzugsfrist überschreitet — bei Mintos beispielsweise 60 Tage..
Wie die geprüften Plattformen bei Lizenz, Rückkaufverpflichtung und Sekundärmarkt abschneiden, zeigt der P2P-Vergleich.
Häufige Fragen
Kann ich bei P2P-Krediten mein gesamtes eingesetztes Geld verlieren?
Ja. P2P-Kredite unterliegen keiner gesetzlichen Einlagensicherung, und eine Rückkaufverpflichtung ist nur so belastbar wie der Kreditgeber, der sie ausspricht. Ein Totalverlust ist möglich.
Wessen Zahlungsfähigkeit zählt bei einem P2P-Kredit mit Rückkaufverpflichtung?
Vor allem die des Kreditgebers (Loan Originator). Die Rückkaufverpflichtung ersetzt das Ausfallrisiko des einzelnen Kreditnehmers durch das Risiko, dass der Kreditgeber seiner Rückkaufpflicht nicht nachkommt. Wird er insolvent, bleibt eine gewöhnliche Insolvenzforderung.
Wo sehe ich, welche P2P-Plattformen schon Probleme hatten?
Die Vorfälle-Chronik dieser Seite sammelt datierte und belegte Vorfälle bei den geprüften Anbietern, darunter die Suspendierung zweier Kreditgeber bei Mintos im August 2026 und die Recherche zu Interessenkonflikten bei Debitum aus dem März 2026.
Ist eine P2P-Plattform mit MiFID-II-Lizenz vor Ausfällen geschützt?
Nein. Die gesetzliche Anlegerentschädigung einer MiFID-II-Firma greift nur, wenn die Plattform selbst insolvent wird und Kundengelder nicht mehr herausgeben kann. Fällt ein Kreditnehmer oder Kreditgeber aus, trägst du dieses Risiko unabhängig von der Lizenzstufe.
Daniel Benz · Betreiber und redaktionell verantwortlich
Daniel Benz betreibt Vermögen sparen und verantwortet Auswahl der Kriterien, Recherche und Freigabe jedes Textes und jeder Zahl auf dieser Seite.